Liebe Ulrike,
Du weißt, daß ich in den letzten 3 Jahren 7 x in der Türkei war. Mein GESAMTEINDRUCK: SUPER!
Was nicht heißt, daß mir etliche Dinge sehr mißfallen! Sie sind aber unterm Strich vernachlässigbar!
Denn mir gefallen als Deutschem auch etliche Dinge nicht in Deutschland. Und als geb. Berliner habe ich auch eine kritische Sicht zu manchen Aspekten meiner Geburtsstadt.
Mein Sohn arbeitet bei AIRBUS. Er fuhr mit mir auch nach Karahajit (bei Pamukkale). Wir trugen jeder eine AIRBUS-Mütze. Schauten eine Juwelier- und Goldschmiedauslage an. Kommt der Verkäufer raus und fragt Meik in bestem Deutsch: "Eh, wo habt Ihr die Mützen her?"
Meik: Ich arbeite da! Er: Ich bin von Beruf Loadmaster, bekäme aber in der Türkei so wenig, daß ich keine Familie gründen könnte. Also arbeite ich als Verkäufer bei meinem älteren Bruder hier. Das Geschäft läuft ganz gut. Kommt doch rein. Ich mach Euch einen guten Preis! Ich mach es kurz: Meik kaufte 4 Sachen, für die er in Antalya das 3fache bezahlt hätte! (Unser Freund, er wurde und ist es!, hat auch mit seinem Bruder in Izmir einen Laden und in Istanbul, aber dort hätte er uns trotz unserer Mützen die Dinge nicht so preiswert verkaufen können! Miete etc...)
Am nächsten Abend gab es Kisir! Weil ich erzählt hatte, daß ich gerne Tabuleh mache. Das war für die Schwägerin unseres Freundes eine Herausforderung. Sie machte die türkische Variante des libanesischen Tabuleh. (div. Schreibvarianten!) Ich sagte ihr, daß sie gewonnen habe! (Jedenfalls war das Gericht nicht schlechter als mein Tabulé!)
Wir blieben (und sind) in E-Mail-Kontakt!
10 Monate später bin ich mit meinem Enkel Malte in Karahajit. Er hat 3 iranische 'Freundinnen'. Er war 16, eine war 24, deren Mutter und deren gleichaltrige Freundin. Die wollten Gold kaufen, ich sage: ich kenne da jemanden! Wir dort rein.
Beide Brüder waren da. Erkennen mich nicht (ich war dicker geworden). Ich sage: He, schöne Grüße von Meik. Und sie: Aah, Papa Meik, super, Du hast aber zugelegt!
Kurzum, um beim Thema zu bleiben. Sie kaufen etliche Dinge und sind extrem happy!
Am Abend dann mein Unfall am Beckenrand des Gartenpools vom Hotel Reis! Notversorgung nachts in Denizli. Sehr früh suche ich das Haus der beiden Brüder. Finde es. Aber niemand ist da. Telefon hab ich nicht. Also die (teure) bestellte Taxe! (Die mir die dt. Versicherung bezahlt, aber nur in Umrechnung von türk. Lira auf Euro, da ich Blödmann übersah, daß dieser 'Gauner' keine Währung auf der Quittung angegeben hatte! Und ich zahlte in EURO!
Die Brüder bekamen das dann auch noch mit und waren untröstlich, daß wir uns verpaßt hatten. Sie hätten ich NATÜRLICH auch nach Denizli in die Klinik gefahren. Ohne Bezahlung!
Wir tauschen mindestens einmal pro Woche E-Mails aus. Aber der Tenor ist: Es wird immer schlimmer, immer schwieriger!
Fazit, liebe Ulrike: Ohne unsere Mützen hätten wir mindestens das Doppelte bezahlt und unsere Freundinnen und noch andere!
Also wenn Ihr mich fragt: Ich möchte kein Goldverkäufer sein. Nirgendwo nicht!
Und zu den staatlichen Goldzentren schreibe ich heute hier nichts. Vielleicht ein anderes Mal!
Denn das ist eher ein 'Märchen aus Tausend und einer Nacht'!
Wers braucht, der kauft dort. Ist ja korrekt, aber dennoch total überhöht. Ich möchte nicht in der Haut eines der Verkäufer dort stecken!