Ländertipp
15.04.2010
Ägypten: Kitesurfer lieben Soma Bay
Als spielten wir Hase und Igel. Während Ali alias Jamaica noch auf dem 20 Meter langen Weg zu mir ist, lass ich den Surf-Drachen schon wieder auf den Strand krachen. Armer Jamaica, kaum ist er hier, muss er wieder zurück, um das Kunststoff-Segel aufzurichten. Ausgerechnet heute bläst der Wind nicht.
Dabei gilt Soma Bay als eine der windigsten Ecken für Kitesurfer - nicht nur in Ägypten. Ablandiger Wind, so nennen das die Profis, wird zum Trockenüben benötigt. In der flachen Bucht der Halbinsel 50 Kilometer nördlich von Hurghada haben vor allem Anfänger ein leichtes Spiel, den Trendsport auszuprobieren.
Ich will das auch und stehe seit über einer Stunde mit dem Kopf im Nacken am Muschelstrand und versuche, das alte Kinderspiel mit dem Drachen auf die professionelle Ebene zu transportieren. Aber der Wind von Soma Bay will heute nicht meine Versuche unterstützen. Und deshalb muss der Ägypter mit den Rastalocken immer wieder zum Drachen laufen und ihn in die vermeintliche Windrichtung halten, damit sich der Schirm mit Luft füllen und in den Zenit klettern kann.
Beim Kitesurfen lernt man vieles neu. Beispielsweise, dass der Himmel über eine Winduhr verfügt. Zwischen neun und 15 Uhr soll ich das Ungetüm in Achterkurven auf Kurs halten. Ritsch Ratsch. "Links!" schreit Jamaica, ich ziehe den linken Arm zurück, der Kite steuert nach links auf den Boden zu.
"Rechts!" schreit Jamaica und begibt sich wieder auf den Weg zu mir. Ich ziehe weiter abwechselnd an der Lenkstange mit den vier Seilen. "Links! Rechts! Links!" Jamaica dirigiert: "Gut! Zurückziehen!" Und wieder aus dem Takt! Dann durchbreche ich wieder die Winduhr, bei sieben Uhr bin ich panisch geworden.
Jamaica tappt zurück zum Schirm. Ich soll ihm versprechen, den Kite auf zwölf Uhr zu halten bis er bei mir ist. Wir lenken wieder zusammen. Ich lerne, dass ein Kite auch kurz vor dem Absturz wieder Wind und damit Fahrt aufnehmen kann. Der Schirm lenkt sich leicht, bei richtigen Windstärken kann er aber kräftig zerren.
Das soll er schließlich auch: Menschen mit einem Brett unter den Füßen übers Wasser ziehen. Doch dahin komme ich in den nächsten Tagen nicht. Das Drachenlenken muss erst in Fleisch und Blut übergegangen sein, bevor ich aufs Wasser darf. Das Schnuppern zumindest hat Lust gemacht.
Unterwasser-Kino auf Soma Bay
Wenn die Kiter auf Soma Bay nicht gerade übers Wasser cruisen und waghalsige Tricksprünge üben, liegen sie entweder vor dem Kitehouse auf übergroßen Himmelbetten und tanken ägyptische Sonne oder sie liegen im Wasser und gucken ägyptisches Unterwasser-Kino vor einem der Riffe, die die Halbinsel umgeben.
Am Stegende geselle ich mich mit Schnorchel und Taucherbrille dazu. Ein Doktorfisch dreht dort unermüdlich seine Runden um die Einstiegstreppe. Ein Picasso-Drückerfisch schließt sich mir an, als wolle er den Reiseleiter spielen, und zeigt mir den Soma Bay Riffgarten.
Der Picasso zu meiner Rechten weist auf einen Rotfeuerfisch, der als Wappentier des Roten Meeres seine Aufwartung macht. Weiter unten erspähe ich eine gähnende Muräne und werde gleich wieder davon abgelenkt, als ein Mitschnorchler auf eine Gruppe gelber Falterfische zeigt.
Wir schnorcheln am Riff entlang, da höre ich sie schon: Papagei-Fische knabbern geräuschvoll die Algen von einem alten Korallenstock. Als wir schon wieder auf dem Weg zur Stegtreppe sind, erhaschen wir noch den Blick auf eine Familie Kaiserfische im blau-orangen Ornat, die emsig an einer Höhle schaufeln.
Wo sind die Ägypter?
Nach dem Unterwasser-Ausflug ist mir nach Relaxen und Aufwärmen. Ideal wäre die Sauna des Breakers - mit Meerblick selbstverständlich. Ich könnte mir aber auch im Thalasso-Center des benachbarten La Résidence ein wärmendes Bad bereiten lassen. Im farblich wechselnden Schein einer übergroßen Wanne voller Salzwasser düsen die Wassermassen druckvoll gegen verspannte Muskeln, während ich dahindämmere und kaum bemerke wie das Blut in den Adern vom tosenden "Bubble Bath" aufgemixt wird.
Urlaub abseits des Massentrubels
Die Halbinsel ist ein kleines Land für sich, bestehend aus fünf Hotels mit unterschiedlichem Stil, Preisklassen und Klientel. Vom günstigen Sporthotel über das Golf- und Spa-Hotel bis hin zu Kempinski, Sheraton und Robinson Club bietet die Halbinsel Abgeschiedenheit vom Massentrubel im nahen Hurghada.
Als ich am Ende der Woche völlig relaxt zum Kitehouse chauffiert werde, sehe ich bereits die Schirme am Himmel. Jamaica kommt mir am Strand entgegen, geradewegs aus dem Wasser. Über die Schulter schleppt er einen Schirm. Er hat einen Anfänger in die ersten Wasserschritte eingewiesen.
Dieser schlürft einige Meter hinter dem Rastaman aus Assuan her und wirkt erschöpft. "Guter Wind heute!" ruft Jamaica mir zu.
Quelle: SRT / Autor: Claudia Ottilie
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