Inseltipp
28.04.2010
Mallorca ohne Ballermann
Die Geschichte, wie aus der kleinen Villa, die sich sein Vater Antonio als Sommerhäuschen zulegte, ein Hotel wurde, hat Señor Xamena schon oft erzählt. So oft, dass er sie irgendwann aufgeschrieben und zwischen zwei Buchdeckel gepackt hat. Trotzdem erzählt er sie immer noch so gern, wie beim ersten Mal. Die Geschichte des Bon Sol. Auf halber Strecke zwischen El Arenal und Magaluf gelegen, bestand es zunächst nur aus dem zum Schloss Bendinat gehörenden Gebäude hoch über der Bucht von Illetas.
Als sich 1957 die Chance bot, das Küsten-Grundstück darunter zu kaufen, griff Antonio Xamena zu und verwandelte es in eine Gartenoase mit Pools, Villen und einem Restaurant über dem kleinen Privatstrand. Wer hier bei einer Flasche Macia Batle untermalt vom Spiel der Brandung den Tag ausklingen lässt, der spürt den Drang, wiederzukommen. Kein Wunder, dass vier von fünf Gästen der Xamenas Wiederholungstäter sind.
Estellencs: Für Ruhesuchende
Ein anderes, aber für Mallorca ebenso ungewöhnliches Stranderlebnis bietet das hübsche Örtchen hoch über der schroffen Nordwestküste. Von Illetas gelangt man via Andratx hierher. Nur mit einem Kleinwagen und viel fahrerischer Gelassenheit sollte man durch die steilen, kopfsteingepflasterten Gassen zur Abfahrt in die Bucht starten. An den kleinen Strand und die den Felsen abgerungene Bar verirren sich fast nur Mallorquiner. Wohl auch, weil der Strand mit seinem Kies nicht dem Ideal der Urlauber entspricht. Dafür ist das Wasser kristallklar und beim Schnorcheln eröffnen sich faszinierende Ansichten.
Pollença: Touristen werden Besucher
Der Turm gehört zu einem System aus Wachanlagen, das zur Abwehr von Piratenangriffen die gesamte Insel umspannte. Die Kommunikation zwischen den Türmen lief über Rauch- und Feuerzeichen. Verschlief ein Wächter eine Freibeuter-Attacke, wurden er und seine ganze Familie enteignet und auf die Galeeren verbannt - so geschehen anno 1550, als türkische Piraten Pollença überfielen.
Masio Vicenç, der seit zwölf Jahren Erlebnisse abseits der Busrouten organisiert, erzählt diese Geschichte in einer Höhle an der Bucht von Pollença, von der aus man durch ein Brandungsloch den betreffenden Turm auf dem zur Halbinsel Formentor gehörenden Talaia d'Albercutx erspähen kann.
Masio gehört mit seinen 50 Jahren zur sogenannten "traurigen Generation", denn seine Kindheit lag vor der touristischen Erschließung der Insel. Er persönlich nimmt es gelassen: "Die Geschichte Mallorcas ist die von Eroberungen, angefangen bei den Phöniziern. Der Tourismus ist nur ein weiteres Glied in dieser Kette."
Der Jahrtausende alten Kultur Mallorcas näher kommen
Für Masio liegt der Reichtum der Insel nicht in den Stränden, Golfplätzen und Yachthäfen, sondern in der Jahrtausende alten Kultur: Da sind die Monumente aus talaiotischer Zeit, da sind Wein und Oliven, von den Römern auf die Insel gebracht, schließlich Mandeln und Orangen, ein süßes Erbe der maurischen Herrschaft. Masio zeigt Kapern, deren Büsche an der 700 Jahre alten Stadtmauer Alcúdias wachsen, Granatäpfel, Feigen und Tomaten, die nicht nur nach Wasser schmecken. Ein Picknick mit Pan Tomato, Ziegenkäse, Chorizo, Vino tinto und Mandelkuchen gehört bei ihm immer dazu.
Campanet: Das ursprüngliche Mallorca
Ein schöner Ort, um die anspruchsvollere mallorquinische Küche zu genießen, ist das Restaurant der Finca Monnaber Nou in Campanet. Sie thront auf einer Anhöhe inmitten zahlloser Olivenbäume direkt am Fuß der Serra de Tramuntana. Das Anwesen aus dem 13. Jahrhundert gleicht einem Museum: Kunst, sakrale Gegenstände und landwirtschaftliche Geräte aus sieben Jahrhunderten zieren die Gänge, Salons und den Patio, den Innenhof.
Quelle: SRT / Autor: Christoph Schrahe
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