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Städtetipp
29.06.2010
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Inseltrips in der Lagune von Venedig

Zwei fast unbekannte Inseln in der Lagune von Venedig zeigen ein ganz anderes Bild von der Stadt der Gondeln und Brücken: Sant’Erasmo und Pellestrina.

Venedigs Gemüseinsel Sant’Erasmo
Sie liegt nicht gleich ums Eck, die Gemüseinsel Sant' Erasmo. Eine gute halbe Stunde rauscht man mit dem Vaporetto Linie 13 (ein Vaporetto ist ein Schiff, das als öffentliches Verkehrsmittel genutzt wird) von Fondamente Novo durch die grünlich-braunen Lagunengewässer, im Kielwasser verschwinden die Hektik des Massentourismus, lautes Geschrei und schrille Souvenirbuden.

Stattdessen taucht ein riesiger, saftig-grüner Bauerngarten aus dem morgendlichen Dunst über dem Meer auf. Ein paar Touristen nur klettern an der Haltestelle "Capannone" von Bord, dazu Einheimische, die in der Stadt etwas zu erledigen hatten.

Auf der größten Insel in der Lagune von Venedig fallen sofort eine Menge Fahrräder und einige Elektro-Wägelchen ins Auge. Sant' Erasmo ist grün in jeder Beziehung. Sauber gezogene Reben, wohlbestellte Gemüsebeete, gepflegte Felder, dazwischen immer wieder Kanäle, der Blick geht hinüber nach Venedig. Dessen Türme und Kirchen scheinen weit weg zu sein - eine andere Welt fast.

Die Ruhe ist zu hören
Auf Sant' Erasmo gackern die Hühner, bellen Hunde, wird Spargel gestochen, Kirschen geerntet, Tomaten und Kräuter gezogen. Besonders gefragt auf dem Markt von Rialto sind die Insel-Artischocken. Sie gelten als Spitzenprodukt der Bauern auf der vier Kilometer langen und bis zu 600 Meter breiten Insel.
Besucher erkunden sie am besten mit dem Fahrrad. Das gibt's zu leihen, auch als Kombipaket mit einem speziellen Vaporetto-Ticket: "Bicinbarca" heißt das, mit dem kommt man vom Lido rüber auf die Insel im Abseits von Venedig.

Die Ruhe ist zu hören, zu spüren und zu sehen: auf Sant' Erasmo verpasst man nichts. Gemächlich strampelt man an den Strand. Vor der urigen Pizzeria "Tedeschi" stehen Liegestühle und Sonnenschirme im braunen Sand, Kleinkinder buddeln vor sich hin, die Großen waten weit hinaus ins seichte Wasser.

Familiär ist das passende Wort für die Atmosphäre, Venezianer mit ihren Motorbooten werfen hier gern ihre Anker aus und dösen in der Sonne. Oder sie schauen den riesigen Griechenland-Fähren oder den noch riesigeren Kreuzfahrt-Schiffen zu, wie sie langsam vom Markusplatz kommend am Lido vorbei hinaus in die Adria schleichen - immer wieder ein spektakuläres Bild!

Hausmannskost mit Lagunenblick
Das "Tedeschi" bietet venezianische Hausmannskost von Mamma Maria, die Preise sind reell, die Gäste sitzen unter schattigen Robinien im Biergarten - Lido- und Lagunenblick inklusive. Bei einer Karaffe süffigen Inselweins oder einem "Sprizz" vergeht die Zeit hier ganz langsam, aber wunderschön gelassen!

Wer genug davon hat, der wandert gemütlich um die Insel, stößt unterwegs auf den Landgasthof "Ca'Vignotto" und die ländliche Herberge "Il Lato azzurro" - man kann auch die Nacht auf Sant' Erasmo verbringen - zwischen Auberginen, Gurken und Getreidefeldern.
Venedigs südlichste Laguneninsel Pellestrina
Auch die Anreise nach Pellestrina ist etwas umständlich: Aus der Stadt heraus geht's mit dem Vaporetto zum Lido, dann weiter mit Bus und Schiff bis auf die südlichste Insel der Lagune von Venedig. Von Süden setzt man per Fähre vom pittoresken Fischerei-Hafen Chioggia nach Pellestrina über und landet in einer ganz speziellen Welt.

"Man erzählt sich viele Geschichten über die Männer von Pellestrina", so beginnt Star-Autorin Donna Leon ihren Bestseller-Krimi über "das Gesetz der Lagune" mit Commisario Brunetti. "Die Pellestroni sollen auf dem nackten Boden schlafen, sie sind gleichgültig gegenüber Schmerzen, ihren Lebensunterhalt holen sie aus der Lagune".

Die Insel Pellestrina ist mit elf Kilometern extrem lang und extrem schmal. Manchmal fürchtet man, sie könnte beim nächsten Sturm auseinanderbrechen. Und deshalb haben die Venezianer "i Murazzi" (begehbare Mauern) an den wilden langen Oststrand gestellt. Seit 300 Jahren stehen die bis zu 14 Meter breiten, haushohen Mauern schon und beweisen sich immer wieder als wuchtiges Bollwerk gegen Wasser und Wind.

In ihrem Schutz ducken sich die buntbemalten Häuschen der Muschelfischer und Lagunenschiffer - grün, blau, rot, gelb - leuchtende Farben als Kontrast zum harten grauen Arbeitsalltag auf dem Meer. Oft steht die Mutter Gottes an den Hauswänden, die Arme schützend Richtung Lagune erhoben.
Entspannen im Abseits von Venedig
Pellestrina ist eine herbe Schönheit, sie wirkt spröde und hart. Wenig Grün, der Boden ist salzig und sandig, keine Sehenswürdigkeiten. Nur der wilde Strand ist da. Die Insel ist etwas für Naturburschen. Man läuft beziehungsweise radelt oben auf der Mauer entlang, schaut hinunter in enge Gässchen, in denen die Wäsche trocknet und dürre Katzen streunen.

Man kann prima entspannen auf Pellestrina. Der Wind rauscht monoton, man liegt irgendwo in der Sonne und verpasst eigentlich nichts - höchstens das exzellente Essen im "Da Celeste". Ein italienisches Fischrestaurant wie aus dem Bilderbuch: Terrasse direkt über dem Meer, fangfrische Speisen, aufmerksame Kellner. Alles molto bene (dt. sehr gut)! Authentisch und einfach schön - im Abseits von Venedig.

Das Leben der Leute im Pellestrina Dorf ist pure Normalität, dort einen Kaffee zu trinken verschafft mehr Eindrücke als die Stresstour über den Markusplatz. Auf der Mauer Richtung Süden laufend kommt man schließlich zum Inselfriedhof mit den gleißend weißen Grabsteinen und an der Inselspitze ins Naturschutzgebiet "Ca ‚Roman". Dort ist die Welt Venedigs buchstäblich am Ende!

Hinter der Mauer von Pellestrina und auf der Gemüseinsel Sant’ Erasmo gibt's auch für Venedig-Stammgäste noch viel zu entdecken, zu jeder Jahreszeit!

Quelle: SRT / Autor: Lutz Bäucker

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Quelle:

Artikelbewertung:
(1 Bewertung)
2 Kommentare
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Gast schrieb: 03.08.10, 08:36 Uhr
Hallo heinz1944, schau doch mal auf Seite 3 nach! Unter dem Text findest du die Seitennavigation.
(
heinz1944 schrieb: 18.07.10, 12:04 Uhr
Wo ist die Beschreibung von Pellestrina?
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