Inseltipp
08.07.2010
Insel Krk: Charmanter Zungenbrecher
Plötzlich ist er abgetaucht. Johann hat sich vom Segelboot einfach rückwärts ins Meer plumpsen lassen. Jetzt nur keine Panik und alles so machen wie gelernt: ein paar Bootslängen weiterfahren, wenden, neben dem Schiffbrüchigen in den Wind schießen und ihn an Bord hieven. "Alles klar?" grinst Johann und ist zufrieden. Das "Mann-über-Bord"-Manöver hat also geklappt.
Wenn Johann einem nicht gerade mutwillig den Adrenalinspiegel hochtreibt, ist so ein Segelkurs die perfekte Gelegenheit, den Alltagsstress abzuschütteln. Der Blick schweift übers aquamarinblaue Meer zurück zur Küste. Sanft schwingt da ein grünes Tal zwischen kahlen Karstbergen zur weiten Bucht aus, Steinmauern bieten silbrigen Olivengärten Windschutz.
Baška – ein wahres Insel-Kleinod
Rechts klettert ein Dorf den Bergrücken hinauf: Baška. Kompakt spitzt der venezianische Kirchturm aus den Häuserwürfeln. Wie ein grauer Bleistiftstrich überstreicht die Fußgängerpromenade die Küstenlinie. Darüber ist eine zweite Straße zu erkennen, dazu Cafés unter schattigen Tamarinden.
Dazwischen, darüber: Treppen, Gassen, blätternder Putz, rote Dächer.
Johann und seine Segelschule markieren das eine Ende von Baška. Die Promenade endet, nachdem sie an winzigen Felsstränden vorbeiführte, in denen Tauchernovizen das Schnorcheln lernen. Dann folgt eine kleine Herausforderung: Wie quert man benimmgerecht ein Nudistencamp? "Du gehst einfach durch", erklärt Johann. "Und die Hose darfst du anlassen." Badeurlaub in Kroatien ist eben ein bisschen anders.
Die Hauptattraktion von Baška liegt aber ohnehin auf der anderen Ortsseite. Es ist der große Strand, um den sich im Sommer alles dreht. Und die Vela Plaza ist wirklich eine Wucht: zwei Kilometer lang, mit vom Meer rundgewaschenen Kieseln, einer der fünf schönsten Strände Kroatiens und Baškas ganzer Stolz.
Da kommt gerade Goran mit den Kindern aus dem Miniclub vom Hotel Corinthia. Der 25-Jährige studiert in Zagreb Tourismus. Aber seit drei Jahren sammelt er jeden Sommer Praxis im Miniclub. Gerade erst ist er in einer Polonaise vom Hotelswimmingpool zum Strand gekommen, jetzt macht er dort Gymnastik und Strandspiele. Abends wird er zur Minidisco die CD vom Roten Pferd auflegen, und zwischendrin hat er immer noch Zeit für ein Gaudi-Tennisturnier mit den Großen.
Legere Sommerferien am Meer
So geht das alle Tage. Baška ist ein wunderbarer Platz für legere Sommerferien mit der Familie am Meer. Das Wasser ist glasklar, die Kinder sind zufrieden, und vom gegrillten Fisch in den Tavernen am Meer schwärmt man zu Hause immer noch. Verschwiegene Wanderwege führen zu kleinen Buchten oder in die Mondlandschaft des Karstgebirges. Abends macht es Spaß, auf der Promenade zu flanieren oder in den flippigen kleinen Geschäften die Sommergarderobe zu ergänzen.
Der König der Promenade heißt Marinko Hrabic. Bei der Surfschule des braungebrannten Blondschopfs müssen alle vorbei - auch alle hübschen Mädchen. Meistens sitzt Marinko mit einer von ihnen nebenan im Café Krok und trinkt einen Espresso. Außer wenn Wind ist - dann ist er draußen auf dem Wasser. Wer dann ein Board braucht, wendet sich einfach an die hübsche Zora, die normalerweise nur für Banana und Ringo zuständig ist.
Urlaubsort mit über 100-jähriger Geschichte
So ist das: Perfektion darf man nicht erwarten. Aber alles funktioniert dann doch irgendwie. Baška ist ja nicht irgendein Touristenort. 2004 haben sie hier hundertjähriges Jubiläum gefeiert, am Eingang zum Speisesaal im Corinthia Hotel hängen die schönsten Schwarzweißfotos von damals: Wie die Wiener Hautevolee auf den Spuren der reiselustigen Sissi mit der Südbahn nach Rijeka fuhr, wie sie dann das bereits wartende Schiff nach Baška bestieg und sich züchtig verhüllt die Knie benetzte.
Darauf ist Dragutin Bozic mächtig stolz. "In ganz Kroatien wurden die Hotels doch nach der Wende an westliche Hotelketten verkauft", sagt der junge Marketingdirektor. "Aber die haben oft nur Geld rausgezogen und nichts investiert."
Anders in Baška: Das fünfstöckige Hotel Corinthia stammt zwar aus den Siebzigern und hat nur drei Sterne, aber neue Zimmer, neue Klimaanlagen, eine Wellness- und eine Poollandschaft. An der neuen Atrium Residence prangen sogar fünf Sterne, vor der Lobby parken die dicken Luxusschlitten der New Economy aus Slowenien und der Slowakei. "Aber wir sind kein Luxusbad", sagt Dragutin.
Wandern: Mal Alpen-, mal Mondlandschaft
Der smarte Businessprofi ist natürlich auch Hotel-Mitgesellschafter und groß geworden in Baška. An seinem freien Tag trifft man ihn vorzugsweise oben in den Bergen. Für seine Wanderwege ist Baška in ganz Kroatien berühmt. Teilweise sieht es da oben aus wie auf einer Alm in den Alpen, dann wieder wie am Mond. Die Hochflächen sind übersät von schneeweißen, marmorartigen Felsstücken.
Auf der Mondlandschaft fehlen auch nicht die Krater. Die sind allerdings grün, eingefasst von jahrhundertealten Steinmauern. In den Steinkreisen haben früher die einfachen Leute aus den Dörfern Kartoffeln und Gemüse angebaut. Unten im Ort gehörte ja alles der Kirche. Die Steinmauern errichteten sie, damit das bisschen Erde nicht wegwehte und die Schafe den Salat nicht fraßen.
Wie ein flacher Steinkegel erhebt sich 542 Meter hoch der Veli Vrh aus der Hochfläche. Vom zweithöchsten Berg der Insel Krk ist der gesamte Inselnorden zu überblicken. Da die Bucht von Baška, auf der anderen Seite der Mastenwald der Marina von Punat und die Klosterinsel Kosljun, dahinter die Küstenlinie zur Hauptstadt Krk, linker Hand die Meerenge mit der Insel Cres, rechts das Velebit-Gebirge auf dem Festland.
Quelle: SRT / Autor: Hans-Werner Rodrian
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