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Reisetrend
28.11.2008
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Der amerikanische Traum wird billiger


Der schwache Dollar-Kurs und Barack Obama beflügeln USA-Reisende und lassen Reiseveranstalter ihre Programme ausbauen.

Amerika ist wieder "in", nicht erst seit der Wahl von Barack Obama. Von Januar bis September dieses Jahres standen fast 1,2 Millionen Deutsche vor US-Einreiseschaltern in der Schlange. Das sind gut ein Fünftel mehr als im Vorjahr. Den historischen Höchststand von 1999, als fast zwei Millionen Deutsche über den großen Teich jetteten, dürfte man 2008 sicher noch nicht knacken. Aber vielleicht im nächsten Jahr. Das hofft zumindest die Reisebranche.

Die Chancen dafür stehen gut: Die Deutschen sind begeistert von Barack Obama. 200000 Menschen jubelten ihm in Berlin schon vor seiner Wahl zu. Das Image der Weltmacht wandelt sich rasant, Amerika wird für viele Bush-Gegner wieder zum gefragten Reiseziel. Heike Pabst, Amerika-Expertin von FTI Touristik, ist vom "Sympathie-Faktor Obama" überzeugt. Auch Rita Hille, Vorsitzende des Branchenvereins Visit USA Committee ist sicher, "dass der historische Wahlsieg das Image Amerikas in ein positives Licht rückt". Mattias Rotter, Chef von Meier's Weltreisen spricht vom "Bye-Bye-Bush-Effekt".

Obama hilft, ist aber nicht der Auslöser für den Reiseboom. Verlockend ist bereits seit einigen Jahren der günstige Dollarkurs. In den vergangenen Wochen gewann er zwar gegenüber dem Euro, das hat aber keinen Einfluss auf die Reisepreise in den neuen Sommerkatalogen. Als die Einkäufer der Reiseveranstalter ihre Verträge mit Hotels und Partnern in der neuen Welt unterschrieben, war der Dollar auf einem Tiefstand. Viele Veranstalter haben diesen Umtauschkurs abgesichert und können nun mit Preissenkungen glänzen.
Bei FTI rutschen die Preise für USA-Reisen im Durchschnitt um fünf Prozent. "Und das teilweise inklusive Flug", freut sich der Amerika-Verantwortliche Pabst. Marktführer Dertour meldet um fünf bis sechs Prozent sinkende Preise. Dazu kommen dann noch Frühbucherrabatte.

Bei den Spezialisten sieht es ähnlich aus. Explorer-Geschäftsführer Andreas Neumann hat seinen neuen Preisteil gerade in der Druckerei abgegeben. Minus fünf Prozent zum vergangenen Sommer sind es auch hier. Besonders günstig werden bei Explorer Mietwagen und Camper. Doch Vorsicht beim Preisvergleich: Die Größenordnung von fünf Prozent gilt im Vergleich zum vergangenen Sommer. In den aktuellen Winterkatalogen sind die Preise schon recht günstig.

Und noch ein Tipp: Wer sparen will, der sollte nicht nur Flüge, Hotels und Mietwagen aus dem Katalog buchen, sondern auch die unentbehrlichen Zutaten für einen Amerika-Urlaub: Ausflüge, Stadtrundfahrten, Freizeitparks, Musicals, Museen. Auch diese Preise wurden im Sommer kalkuliert, als der Dollar ganz unten war, sagt Meier's-Manager Matthias Rotter.

Wem der bisherige Preisrutsch nicht reicht, der kann auf USA-Schnäppchen spekulieren. Etwa für Las Vegas, denn vielen Amerikanern ist nicht nur die Reiselust in die Ferne vergangen, auch der Spieltrieb leidet. Bleiben viele Zimmer auf Dauer leer, dürften die Hotels Sonderangebote nachlegen.
Mittlerweile haben alle großen USA-Veranstalter ihre Sommerkataloge gedruckt. Wer einen Amerika-Urlaub plant, der sollte sich Zeit nehmen. Die Kataloge sind so umfangreich wie nie, dick wie Telefonbücher. Der USA-Band von Dertour bringt es auf 556 Seiten, andere stehen dem nicht viel nach. Dertour, FTI und Neckermann - jeder hat mittlerweile rund 1000 Hotels in Nordamerika im Katalog.

Online findet man meist zusätzliche Unterkünfte. Rundreisen, Ranches, Mietwagen, Ausflüge - alle satteln noch etwas drauf, die große TUI wie die kleinen Spezialisten. Generell fällt auf, dass die Auswahl an hochwertigen Bausteinen stark ausgebaut wurde: Kleinbusse bei Rundreisen, komfortablere Hotels, Luxuscamper. Die Nachfrage wächst und die Veranstalter reagieren.

Auch die aufziehende Wirtschaftsflaute scheint dem Amerika-Boom nicht zu bremsen. "Der Sommer ist sehr gut angelaufen", sagt Meier's-Mann Rotter. Seine Kataloge sind schon fast einen Monat in den Reisebüros. "Das wird ein starkes USA-Jahr."

Einen Engpass bei den Flugplätzen über den großen Teich sehen die Touristiker durch den Ansturm aus Deutschland nicht. Weil die Amerikaner wegen der Immobilien- und der Finanzkrise weniger reisen, erklärt FTI-Expertin Pabst, bleiben viele Tickets dort unverkäuflich. Das bedeutet, dass mehr Sitzplätze für die Europäer bleiben.
Quelle: SRT / Autor: Thomas Hartung


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