Reisen
24.08.2009
Angst-weg-Programm für Passagiere
Die scheinbar in jüngster Zeit häufiger auftretenden Flugunfälle und -pannen verunsichern viele Reisende. Schon vor dem Start stellt sich Angst ein - dabei sind Flugzeuge das sicherste Verkehrsmittel. Wir erklären Geräusche und Bewegungen an Bord und nehmen Ihnen so die Furcht vor dem Ungewohnten. Tipp: Nehmen Sie die Checkliste mit an Bord und schauen Sie während des Fluges darauf. Das beruhigt ungemein.
Die Geräusche und das Wackeln im Flugzeug
Am Gate brummt es leise. Das ist die externe Stromversorgung, die die elektrischen Geräte - etwa die Klimaanlage - an Bord versorgt, solange der Pilot die Triebwerke noch nicht angelassen hat. Die Triebwerke werden nacheinander mit Druckluft gestartet. Einige Hydraulikpumpen jaulen kurz auf, eventuell rüttelt das Flugzeug leicht. Das kommt vor, wenn die Cockpit-Besatzung die Leitwerke auf Funktion überprüft. Es ruckt kurz. Ein Bugsier-Fahrzeug schiebt das Flugzeug rückwärts auf die Rollbahn.
Weißer Rauch kommt aus Schlitzen an der Kabinendecke? Keine Sorge, die Klimaanlage arbeitet jetzt auf vollen Touren und sorgt für frische und vor allem kühle Luft, was zu feinen Kondenstropfen führen kann, wenn sie in die warme Kabine gelangt. Jetzt fährt der Flieger aus eigener Kraft. Dabei poltert es ab und zu ein wenig: Die Reifen holpern jetzt über die Befeuerung, also über die kleinen Lampen in der Mitte der Rollbahn. Sie stehen zwar nur zwei bis drei Zentimeter hoch, sorgen aber für feste Stöße.
Durchsagen an Bord sind kein Grund zur Beunruhigung. Die Besatzung wird Ihnen Sicherheitshinweise geben - nicht, weil sie einen Zwischenfall erwartet, sondern weil es vorgeschrieben ist. Und wenn der Pilot den Flugbegleitern Anweisungen gibt, dann nur, um sie auf den unmittelbar bevorstehenden Start hinzuweisen.
Die Triebwerke heulen auf, aber das Flugzeug bewegt sich nicht. Kein Wunder: Der Pilot steht auf den Bremsen. Er lässt die Turbinen ordentlich Schub geben, um möglichst rasch auf die Startgeschwindigkeit zu kommen. Das Flugzeug rollt an, beschleunigt, hebt die Nase. Sie fliegen!
Übrigens: Jetzt arbeiten die Triebwerke längst nicht mit voller Leistung, sodass immer noch ausreichende Reserven bleiben, falls ein Aggregat ausfällt. Es rumpelt und poltert unter Ihnen. Das ist das Fahrwerk, das möglichst schnell nach dem Start eingezogen wird. Außerdem werden die Klappen zum Fahrwerksschacht geschlossen und verriegelt. Diese Klappen haben bei großen Jets die Maße eines Scheunentores - klar, dass sie etwas Lärm machen. Das Motorengeräusch wird leiser, denn die Leistung wird von der Start- auf die Steigleistung gedrosselt.
Es gibt einen doppelten "Bing", aber die Anschnallzeichen leuchten weiter. Das Bordpersonal beginnt jetzt mit den Vorbereitungen für den Service. Die Hydraulikpumpen jaulen wieder, wenn die so genannten Flaps eingezogen werden, die die Tragflächen vergrößern und für zusätzlichen Auftrieb sorgen. Außerdem verändert sich das Fluggefühl; das liegt daran, dass die Tragflächen-Vergrößerungen eingefahren worden sind, der Jet in den Reiseflug übergeht.
Jetzt befindet sich die Maschine im Reiseflug, Getränke werden serviert, Sie dürfen sich abschnallen. Erfahrene Flieger raten jedoch, den Gurt immer angelegt zu lassen. Der Grund: Obwohl die Piloten mithilfe eines Wetterradars stürmische oder gewittrige Zonen umfliegen und der Autopilot jede Abweichung vom normalen Flugverhalten in Sekundenbruchteilen korrigiert, kann das Flugzeug von Turbulenzen erfasst werden. Besonders unangenehm für die Passagiere sind thermische Auf- und Fallwinde, die einen Jet durchaus mehrere hundert Meter nach oben oder unten versetzen können. Das Flugzeug hält das locker aus, auch wenn sich die Flügelspitzen um mehrere Meter verbiegen und die Triebwerke sich in der Aufhängung verdrehen. Damit werden die auftretenden Kräfte flexibel abgefedert. Also: Kein Grund zur Besorgnis!
Der Anflug am Zielflughafen
Dann beginnt der Anflug auf den Zielflughafen, etwa 20 bis 30 Minuten vor der Landung. Sie merken, wie Sie leicht im Sitz angehoben werden. Die Triebwerke drehen gewissermaßen im Leerlauf.
Nun werden die Landeklappen wieder ausgefahren, diese Geräusche kennen Sie ja bereits. Wechselnde Winde können Rauschen oder Heulen verursachen. Beim langsamen Flug in geringer Höhe treten bei feuchter Luft an den Flügelspitzen kleine Kondensstreifen auf - kein Grund zur Beunruhigung. Das Triebwerk dreht mal höher und lauter, dann wieder ganz leise. Das liegt daran, dass im Cockpit das Tempo korrigiert wird, um die Landegeschwindigkeit möglichst genau zu erreichen.
Nach dem Aufsetzen dröhnen die Triebwerke noch einmal besonders laut auf. Nein, der Pilot startet nicht durch. Vielmehr wird ein Teil des Luftstroms an der Turbine leicht nach vorn geleitet, um das Abbremsen zu unterstützen. Nun rollt die Maschine zu ihrer Halteposition, die Triebwerke kommen zum Stillstand. Und? War's schlimm? Alles glatt gegangen - wieder mal.
Quelle: SRT / Autor: Marc Reisner
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