Kairo +Nil+ Baden in Hilton Long Beach:
Erfahrungsbericht von
Susi +Patrick am
07.01.2011
Kairo+Nil+Baden in Hilton Long Beach
Die Reise fing schon gut an, weil unser Flug von Frankfurt nach Kairo wegen dichtem Schneefall 3 Stunden Verspätung hatte und wir deshalb den Anschlussflug von Kairo nach Hurghada verpassten und mitten in der Nacht mutterseelenalleine auf dem Kairoer Flughafen saßen und nicht wussten, was wir tun sollten, weil keine zuständige Person zu finden war und die ägyptischen Flughafenangestellten zwar unsere Unterlagen mitnahmen und dann verschwanden, wir aber stundenlang warten mussten, bis uns irgendjemand mal sagte, was denn jetzt passierte. Gott sei Dank begegneten wir einem Engel in Gestalt eines Iraners. Der kannte sich mit den ägyptischen Gepflogenheiten besser aus als wir und hatte außerdem ein Handy dabei, das auch ein Netz bekam. Dieses lieh er uns, damit wir wenigstens unsere Hotline anrufen konnten, um denen mitzuteilen, dass wir nicht wüssten, wann wir am nächsten Tag am Bestimmungsort eintreffen würden.
Am nächsten Tag wurden wir in Hurghada von einem Mitarbeiter abgeholt. Auch hier mussten wir wieder lange warten, weil er noch auf andere Reisende wartete, die aber nicht kamen. Dann fuhren wir mit einem Minibus zum Hilton Long Beach, um noch andere Mitfahrer abzuholen. Nach ca. 6 Stunden Fahrt kamen wir endlich in Luxor an und bezogen unser Schiff, das fürchterlich kitschig auf Weihnachten getunt war. Dennoch fand ich es direkt gemütlich mit seiner weißen verschnörkelten Reling, dem hellen Marmorboden und der ganzen Atmosphäre. Wir bezogen unsere Kabine, die zugegebenermaßen für 3 Personen etwas eng war, aber immerhin hatten wir alle ein solides Bett. Außerdem hatten wir das Glück, 2 Etagen unter der Bar zu wohnen und blieben die ganze Reise über von Störungen weitgehend verschont. Schließlich ging es in die Bar, wo uns unser Reiseleiter begrüßte. Er war ein sehr humorvoller Ägypter mit Entertainerqualitäten, der gut bis sehr gut Deutsch sprach. Wir wären eine relativ kleine Gruppe mit 30 Personen, erzählte er uns weiterhin, weil die französischen Teilnehmer wegen Schneegestöber nicht von zu Hause weggekommen seien. Ansonsten wären nämlich doppelt so viele Menschen auf dem Schiff. Die allgemeine Einführung erfolgte also später, wenn alle eingetroffen seien. In der Zwischenzeit besichtigten wir das Schiff, das ein schönes Oberdeck hatte, Korbstühle und Tisch, hölzerne Sonnenliegen mit weißen Polsterauflagen (die sehr schmutzig waren, wie man sich denken kann) und einem Pool sowie einem Whirlpool, die beide aber ziemich kalt waren. Sonnen konnten wir uns eigentlich immer, denn das Wetter war fast durchgehend gut und warm, auch wenn hin und wieder mal ein Windchen wehte und es abends relativ kühl wurde. Zum verabredeten Zeitpunkt fanden wir uns also wieder in der Bar ein und lernten unsere Reisegenossen kennen. Als Ägyptologe und Germanist verstand der Reiseleiter sein Fach und er machte seine Sache fachlich sehr gut. Was uns alle allerdings irritierte, war auch die Tatsache, dass wir feststellen mussten, dass wir nichts mit der Kreditkarte , sondern alles bar bezahlen sollten. Und das gestaltete sich schwierig, weil wir erstens einen Bankautomaten finden mussten, der unsere Karte akzeptierte und wenn wir dann endlich mal einen gefunden hatten, bekam einer Geld und die anderen nicht. Die diversen Besuche in einer Parfümerie, einem Papyrus-, einem Schmuckgeschäft und einer Alabasterwerkstatt nährte bei uns den Verdacht, dass der Reiseleiter eine schöne Provision kassierte. Ich versorgte mich Gott sei Dank nur mit einer Minzessenz und während diese in der Demonstration in der Parfümerie extrem stark war, kam mir meine zu Hause lange nicht so stark vor. Also Vorsicht!
Kurz und gut, wir bekamen das Programm, das uns am nächsten Tag erwartete, immer erst am Abend davor mitgeteilt, sehr häufig mussten wir bei der Besichtigung von Abu Simbel, des Assuan-Staudammes, des Tals der Könige etc sehr früh aufstehen, also um 3.30 Uhr oder etwas später. Um dem Massenansturm zu entgehen. Gott sei Dank konnte man sich dann meistens nachmittags auf Deck ausruhen, denn - und das ist ein großer Kritikpunkt - es war nicht nur das fakultativ, was in der Reisebeschreibung stand, also Abu Simbel z.B. Nein, auch eine Kutschfahrt durch Luxor, eine Fahrt mit dem Motorboot zum botanischen Garten in Assuan und zu einem nubischen Dorf,
die Felukenfahrt zum Philae-Tempel und der Kamelritt mussten extra bezahlt werden und wenn man diese Ausflüge nicht mitgemacht hätte, hätte man ganz schön viel Zeit an Bord verbringen müssen.
Ganz besonders zu kritisieren war für uns die Reiseplanung, nach der wir am vorletzten Tag von Kairo mit dem Bus nach Hurghada fahren sollten und am nächsten Morgen um 6.30 Uhr schon von Hurghada nach Kairo und dann nach Frankturt zurückfliegen sollten. Das war mir bei der Buchung der Reise (angebotenes Gesamtpaket) nicht aufgefallen, weil die Fahrt nach Hurghada als Badetag angegeben war und ich nicht wusste, dass man 8 Stunden dorthin fährt. Das heißt, wir hätten einen ganzen Tag von Kairo nach Hurghada fahren müssen, um abends dort anzukommen und nicht mehr baden zu können und am nächsten Morgen direkt wieder nach Kairo fliegen müssen. Wir beschwerten uns zwar bei unserem Reiseleiter, jedoch prallte die Kritik wie immer bei ihm ab.
Dennoch waren wir immer wieder erstaunt, dass die Mitarbeiter der Reiseleitung trotz allen Chaoses es immer wieder hinbekamen, niemanden zu vergessen.
Relativ gut war auch das Essen auf unserer \"MS Nile Supreme\". Morgens, mittags und abends gab es reichhaltiges Buffet und die Angestellten waren sehr nett. Unsere Boys räumten das Zimmer zweimal täglich auf und jeden Tag hatten sie die Handtücher in kreativ-liebevoller Art und Weise gefaltet. Als Schiff, als Krokodil, als Schaukel, als Schwan etc. Überhaupt ist das Naturell der Ägypter sehr zwiespältig, einerseits nervt es kollossal, dass man immer und überall angebettelt und penetrant belästigt wird. Es ist so schlimm, dass wir alle kaum in ein Geschäft gingen, weil man nicht in Ruhe schauen kann. Andererseits waren die meisten Ägypter, die ich kennengelernt hatte, immer freundlich und zu einem Scherz aufgelegt, lachten gerne und viel. Trotz der unglaublichen Armut, die hier herrschen muss. Als wir mit der Kutsche durch Luxor über den Markt fuhren und auch sonst sahen wir Menschen in einer Baracke ohne jede Einrichtung auf dem Lehmboden sitzen. Müllberge liegen überall herum und die Esel und vor allem die Kutschpferde sind in desolatem Zustand! Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich niemals eine Kutschfahrt gebucht, wobei unser Pferd noch gut aussah. Viele andere waren abgemagert, dass die Rippen hervorstachen, hatten offene, eitrige Wunden und mussten den lieben langen Tag über den Teer traben, was an und für sich schon schlimm für die Gelenke ist. Dabei bekamen sie hin und wieder mit der Peitsche ordentlich einen drüber. Also bitte keine Kutschfahrten buchen! Denn Touristen sind dafür verantwortlich, dass es so etwas überhaupt gibt.
Die Nilkreuzfahrt war Klasse, wir hatten eine gute, ruhige Kabine, was allerdings nicht jeder behaupten kann. Alles was wir gesehen haben übertraf unsere Vorstellungen und trotz vieler Ärgernisse auf der Reise im Allgemeinen hat es uns allen sehr gut gefallen. Vor allem hatten wir eine überaus nette Gruppe.
Nach der Nilkreuzfahrt kamen wir im Hilton Long Beach an, der Kulturschock war genauso riesig wie die ganze anonyme Anlage. Die Kacheln in unserer Wohnung waren kaputt, sauber ist auch etwas anderes, unsere erwachsene Tochter musste auf einer ausgeklappten Couch schlafen, obwohl wir ein Dreibettzimmer gebucht hatten und mir im Vorfeld bestätigt wurde, dass wir überall 3 solide Betten und keine Zustellbetten hätten. All inclusive waren nur zu bestimmten Zeiten bestimmte Dinge, z.B. bekam man Getränke in den Bars nur bis 18.00 gratis, danach gab es warmes Bier und warmen Wein in schmutzigen Gläsern von einem unfreundlichen Kellner nur noch an einer Art Marktstand oder man musste zahlen. Die Geräuschkulisse in den Restaurants war lauter als in einer Bahnhofskantine und das Publikum schien die Hotelanlage nicht einmal verlassen zu haben. Ein \"Schukran\" (Danke auf Ägyptisch) erstaunte die Kellner so, dass sie einen bevorzugt bedienten. Der Strand und die Poolanlage waren das einzig Schöne an dieser Anlage. Ach ja: Selbst im Hotel wurden wir von Geschäftsinhabern belästigt. Fazit: Nichts für Individualurlauber und Menschen, denen Massentourismus auf den Magen schlägt, die etwas von Land und Leuten sehen wollen!
Auf den Basaren kann man sehr schöne Waren für sehr wenig Geld bekommen, wenn man handeln kann!
Bewertung:
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5